Die immer größer werdende Beliebheit von Internetkarten und satellitengestützten Navigationssystemen führt dazu, dass die Menschen nur noch darüber nachdenken, wie sie von A nach B kommen, und niemand mehr über die eigene Position oder die umgebende Geographie bescheid weiß. Das zumindest behauptet die Vorsitzende der British Cartographic Society, Mary Spence.
Sie führt das darauf zurück, dass Karten zur Navigation nicht mehr gelesen werden müssen. Darüber hinaus verstünden Kartennutzer die traditionellen kartographischen Symbbole nicht, da diese nicht in digitalen Karten zu sehen sind.
Das führt nach Spence dazu, dass Britische Geschichte und Geographie aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwinden:
Corporate cartographers are demolishing thousands of years of history – not to mention Britain’s remarkable geography – at a stroke by not including them on maps which millions of us now use every day [...] — Telegraph
Wie Jonathan Crowe argumentiert liegt das Problem aber weniger darin, dass wir verstärkt computergestütztes Material anstelle der klassischen Papierkarte einsetzen, sondern vielmehr darin, was auf den Karten überhaupt dargestellt wird.
Denn auch im Diercke oder einem Falk-Straßenatlas fanden keine Kirchen oder andere historisch bedeutende Bauten Platz. Solche Sachen waren meist nur auf speziellen Karten, wie der TK25 oder auf Wanderkarte zu finden. Eine thematische Auswahl hat – im Sinne des Kartenzwecks und ihrer Lesbarkeit – immer schon stattgefunden.
Aber gerade dem Anspruch jeden Kartennutzer zu befriedigen, können Internetkarten eher gerecht werden, als gedruckte. Denn nur hier besteht die Möglichkeit, dem Nutzer die Wahl zu lassen, was auf einer Karte zu sehen sein soll. Durch verschiedene Kartenlayer lassen sich verschiedenste Informationen hinzufügen bzw. weglassen. Man muss dem Nutzer nur die Möglichkeit dazu geben. Nur besteht diese bei Google Maps nicht.
Allerdings gibt es Alternativen, die eine Fülle von Informationen bereit halten, die beispielweise Google Maps nicht liefert. Bei OpenStreetMap finden sich neben Kirchen und Denkmälern auch die Positionen von Briefkästen, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und Trinkbrunnen in Italien.
Das Problem liegt also nicht im Medium über das eine Karte dargestellt wird, sondern darin, dass Informationen, die durchaus vorhanden sind, nicht in die weit akzeptierten Anwednungen eingebunden sind und viele Nutzer nicht gezielt nach Alternativen suchen.
- Vector One: Internet Mapping Demolishing British History?
- AnyGeo: From the UK – Map reading skills dying out – Paper vs Google Maps!
- GeoCarta: President of the British Cartographic Society Blasts Web Maps
- GIS Lounge: Online Mapping is Not the Death Knell for Maps
- edparsons.com: Cartography is dead, long live the map makers

0 Antworten bis hierher ↓
Bis jetzt noch kein Kommentar ... Bring die Sache ins Rollen, und füll das untere Formular aus.